Wo ist Erpen geblieben?

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Arpingi
De dulle von Oer
Die Duanen
Ich kriege di doch
Kumm wie wilt es hin
Wo ist Erpen geblieben?
Wat jung es
Des Krieges ödendes Entsetzen
Becken- und Trommelschläger
Literaturhinweise

Wo ist denn Erpen geblieben ?

Im Winter 1899/1900 erhielt Dissen elektrischen Strom – noch vor Osnabrück und Bielefeld. Die Stromversorgung reichte damals auch nach Erpen .

Aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Firmenjubiläums 1901 stiftete Fritz Homann 30.000 Reichsmark für den Bau eines Krankenhauses. Es wurde 1904 als Albertinenstift in Betrieb genommen. Bis 1972 wurde als Geburtsort der im Albertinenstift Geborenen "Erpen" in die Personalpapiere eingetragen. Wer war wohl der letzte ?

Im Jahr 1907 wurde in Rothenfelde ein Privatschulverein gegründet, dem die Konzession über die Privatschule (früher "Familienschule", seit 1891) übertragen wurde . Zunächst lernten die Kinder im alten Gebäude der Volksschule am Gradierwerk; 1910 konnte das neu erbaute Schulhaus in der Wellengartenstraße (heute Heimatmuseum) bezogen werden. Als erste Lehrerin und Leiterin der Schule wurde Fräulein Liebe eingestellt, die bis zu ihrem Ruhestand 1934 dort tätig war. Vielen alten Erpenern ist die Schule deshalb als "Liebe-Schule" in guter Erinnerung geblieben. Anfang Juni 1935 wurden die beiden jüngsten Jahrgänge der Privatschule aufgehoben und in die Volksschule hinübergeführt, bis dann 1940 die Privatschule auf behördliche Anordnung ganz aufgelöst wurde.

Der Beginn der 1. Weltkrieges löste weite Begeisterung in der Bevölkerung aus. Schon im August 1914 gründete sich der Vaterländische Frauenverein durch Bürgerfrauen des Kreises Iburg. Sie sammelten Waren und Geld, um die "Liebesgaben" an die Soldaten zu schicken. Das waren Pakete mit Nahrungsmitteln, Bekleidungsstücken (Fußlappen waren sehr gefragt), Büchern und Rauchwaren. Spätestens seit 1917 gab es aber nicht mehr viel zu verschenken. Die Lebensmittel waren knapp und wurden mit Lebensmittelkarten zwangsverwaltet. Viele ältere Menschen erinnern sich noch mit Schrecken an den langen, eisig kalten, hungrigen "Steckrübenwinter" 1916/17 .

Während des 1. Weltkriegs kamen von 1915 bis 1918 zwanzig russische Kriegsgefangene nach Erpen . Sie dienten im Forstbetrieb Palsterkamp, beim Holzeinschlag, beim Wegebau und an anderen Stellen. Damit waren zwar nötige Arbeitskräfte in Erpen, sie mußten aber auch eine Unterkunft bekommen, verpflegt und, nicht zuletzt, auch bewacht werden. Unter der Forstarbeit litt ihre Kleidung stark, so daß sie neu eingekleidet werden mußten. Ihre Entlohnung ging an eine zentrale Buchhaltung und wurde ihnen vor der Rückfahrt in die Heimat ausgezahlt.

Die Zeit des Nationalsozialismus ist auch an den Erpener Köpfen leider nicht spurlos vorbei gegangen. Es waren nicht wenige, die der neuen schmeichelnden Ideologie folgten und das Schlechte und Verbrecherische nicht sehen wollten oder verdrängten. Erpen gehörte damals zur Ortsgruppe Bad Rothenfelde; die Ortsgruppenleiter waren der Kaufmann Wilhelm Koch (1934/35) und danach Adolf Lemke.

Fälle von rassischer oder politischer Verfolgung in Erpen sind uns aber nicht bekannt.

Im 30. Januar 1934 gab es einen Zusammenstoß zwischen dem "Haller Willem" und einem Zigarettenlaster beim Bahnübergang kurz vor Hilter an der Kreuzchaussee. Damals war der Bahnübergang noch ungesichert, also ohne Schranke und Licht. Der Zug fuhr mitten durch den Lastzug hindurch, seine ganze wertvolle Ware verstreute sich bis im Umkreis von 50 Metern. Immerhin handelte es sich um 3,7 Millionen Zigaretten im Wert von fast 120.000 Reichsmark. Die Feuerwehr sammelte die unbeschädigten Zigaretten und brachte sie ins Spritzenhaus. Aber auch die Erpener lasen die Päckchen gerne auf. Noch 11 Jahre später schenkte eine dankbare Erpenerin Werner Meyer zu Erpen ein Päckchen Zigaretten der sogenannten Marke "Kreuzchaussee" für das überbrachte Lebenszeichen vom Sohn aus dem Lazarett.

Luftangriffe während des Krieges gab es auf Erpen nicht. Beim benachbarten Röwekamp wurde ein Kampfflugzeug über dem Feld abgeschossen.

1939 begann der 2. Weltkrieg mit dem Angriff des Deutschen Reichs auf Polen. Schrecken und Elend und Tod der Menschen erreichten ein bisher nicht gekanntes Maß. Durch die entsetzliche Ermordung von sechs Millionen Juden bleiben Deutschland und die Deutschen für immer gezeichnet.

Im Februar 1945 wurde ein Lazarettzug am hellichten Tag von alliierten Tieffliegern nahe der Kreuzchaussee beschossen. Auch die umliegenden Häuser wurden angegriffen; insgesamt gab es 18 Tote. Zwar war der Zug mit dem Roten Kreuz gekennzeichnet, aber die Alliierten gingen davon aus, daß die Wehrmacht in diesem Zug Munition transportieren würde. Viele Verwundete flohen, teilweise auf Krücken, in den nahen Wald. Bis in die Nacht dauerte die Suche nach dem letzten Verschreckten.

Anfang April 1945 rückten erst amerikanische, dann englische Truppen im Kirchspiel Dissen ein. Panzerspähwagen jagten durch die Straßen auf der Suche nach den letzten deutschen Soldaten. Mit zurückweichenden Wehrmachtstruppen gab es kleinere Schießereien, zum Glück kam es nicht mehr zu Kampfhandlungen. Für einige Wochen belegten die englischen Soldaten die Erpener Schule, bis dann frühere polnische Zwangsarbeiter dort einquartiert wurden. Im Juli 1945 wurden sie nach Polen heimgebracht, nun stand das Gebäude wieder den Schülern zur Verfügung.

Nach dem Krieg kamen viele heimatvertriebene Deutsche aus dem früheren Reichsgebiet in den Westen, allein über 500 nach Erpen. Das Schützenhaus des Schützenvereins Erpen diente unter anderen als vorübergehende Bleibe.

Das Gebiet von Erpen veränderte sich immer wieder. Die Bauernschaft Strang wurde 1858 abgetrennt . Heute gehört das Gebiet der früheren Bauernschaft Erpen zum Teil zur Stadt Dissen und zum anderen Teil zur Gemeinde Bad Rothenfelde.

Dabei wurden die Grenzen zu Rothenfelde 1871/73 und erneut 1929 festgesetzt, wobei Rothenfelde sich nie mit dem Wunsch durchsetzten konnte, das Gebiet bis zu den Eisenbahngeleisen zugesprochen zu bekommen.

Das Amt Iburg sah die Bauernschaftsgemeinde Erpen bereits 1852 als Teil des Gemeindeverbands (Samtgemeinde) der Kirchspielgemeinde Dissen an; die andren Teile waren neben Dissen (Dorf) Aschen mit Grefenwiese, Aschendorf, Heidland mit Strang, Rothenfelde und Nolle.

Die um Dissen und Rothenfelde liegenden Gemeinden versuchten anfangs, ihre Selbständigkeit zu retten; Erpen erwog 1963 eine Samtgemeinde Palsterkamp aus den Gemeinden Aschen, Aschendorf, Erpen, Nolle und Strang zu bilden. Wegen der Verflechtung mit Dissen und Rothenfelde wurde der Eigenständigkeit aber keine Chance gegeben.

Diese Samtgemeinde Dissen wurde nach über 100 Jahren aufgelöst, und durch die Gebietsreform 1972/74 wurde Erpen in Dissen eingegliedert. Die Bildung einer Großgemeinde Dissen, Hilter und Rothenfelde wurde 1972 abgewendet.