Soziales Engagement am Beispiel der
Johanniter

| I. | Definition der Johanniter |
| II. | Die Ursprünge der Johanniter |
| II.1 | Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem |
| III. | Ordenswerke |
| III.1 | Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. |
| IV. | Damals und heute im Vergleich |
| V. | Johanniter in aller Welt |
| VI. | Verwendete Literatur |
| I. | Definition der Johanniter | |
| Die Johanniter sind eine
Gemeinschaft, die sich vor 900 Jahren zusammenschloß, um
"im Bewußtsein der Tradition christlicher
Nächstenliebe" gegen menschliches Leid
vorzugehen. Wenn man heutzutage von den Johannitern spricht, denkt man in erster Linie an soziale Dienste, die von der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) verrichtet werden. Daß sich dahinter jedoch der älteste geistliche Orden überhaupt verbirgt, weiß kaum jemand. |
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| II. | Die Ursprünge der Johanniter | |
| Nachdem Mitte des elften Jahrhunderts in Jerusalem
ein Hospital für kranke, arme und von der Reise
erschöpfte Pilger errichtet worden war, erweiterte der
Franzose Christoph Gérard, auch Meister Gerhard genannt,
die dazu gehörende Bruderschaft im Jahre 1099 zum "Ritterlichen
Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem". Der
Name des Ordens bezieht sich auf die biblische Gestalt
Johannes des Täufers, der Leitbild und Ordenspatron
zugleich ist. Für viele Kreuzfahrer waren die dort
verrichteten Tätigkeiten am Nächsten vorbildlich und
sie schlossen sich dem Orden an, so daß es nur 14 Jahre
später schon sieben Filialhospitäler gab. Gleichzeitig,
und in Verbindung mit zahlreichen Schenkungen, war damit
der Grundstein für die Verbreitung des Johanniterordens
in ganz Europa gelegt. Meister Gerhards Worte "Unsere
Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden,
auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist und
weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die
daran arbeiten wollen, dieses Leid geringer, dieses Elend
erträglicher zu machen" wiesen in die Zukunft. Die Spitalbruderschaft wandelte sich unter Raimund von Puy zum geistlichen Ritterorden. Als Ritterorden wurde er nun auch mit militärischen Aufgaben konfrontiert. |
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| Als Akkón im Jahre 1291 fiel, mußten
die Kreuzfahrer das Heilige Land endgültig aufgeben, was
dazu führte, daß auch der Johanniterorden heimatlos
wurde. Auf Limassol und Zypern wurde Station gemacht. Ab
1310 herrschte der Orden auch auf Rhodos. In dieser Zeit
gingen auch Besitztümer in Europa in die Hände des
Ordens über (auch das Gelände des St. Paulusheims in
Bruchsal war einst Eigentum des Johanniterordens). Trotz
tapferer Verteidigung gegen die Osmanen mußte Rhodos
1522/23 verlassen werden. Kaiser Karl V. wies ihnen Malta
als neuen Hauptsitz zu. Aus der Zeit auf Malta stammt
auch der Name "Malteserorden". Mit dem Anwachsen des Johanniterordens entwickelte sich eine Organisationsstruktur. Nationale Zusammenschlüsse wurden Zungen (Sprachgebiete) genannt. Eine Zunge umfaßte mehrere (Groß-) Priorate, die dann in Balleyen und Kommenden gegliedert waren. Eine Balley bestand aus mehreren Kommenden eines (Groß-) Priorats. Zentraler Lebensraum des Johanniterordens blieb für viele Jahrhunderte das Mittelmeer. |
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| II.1 | Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem | |
| Als Teil des deutschen Großpriorats bestand auch die
Balley Brandenburg seit 1351. Aus ihr entstand der
heutige evangelische Johanniterorden. Eine besondere Stellung erhielt die Balley Brandenburg des Johanniterordens im Jahre 1382 durch den Vertrag von Heimbach, der ihr weitgehende Unabhängigkeit im deutschen Großpriorat und im Gesamtorden einräumte. Die Reformation bedeutete nicht nur für das ganze Land, sondern auch für die Balley Brandenburg einen tiefen Einschnitt. Sie existierte jedoch auch nach der Reformation weiter und blieb weiterhin Teil des Gesamtordens. Als in Preußen 1810/11 sämtliche geistlichen Güter säkularisiert wurden, fielen darunter auch die Besitztümer des Johanniterordens; er löste sich jedoch nicht auf. König Friedrich Wilhelm IV. stellte 1852 den autonomen Urzustand wieder her. Die Balley Brandenburg ist ein rein evangelischer Ordensteil, der sich heute ganz auf diakonische Aufgaben konzentriert und sich für den christlichen Glauben engagiert. So lautet noch heute der Ordensspruch: "PRO FIDE, PRO UTILITATE HOMINUM" "für den Glauben, für den Dienst an der Menschheit". Das Zeichen des Ordens ist das weiße achtspitzige Kreuz auf rotem Grund. Die acht Spitzen stehen für die acht Seligpreisungen in der Bergpredigt. |
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| III. | Ordenswerke | |
Neben den diakonischen Einrichtungen des
Ordens gibt es drei große Ordenswerke, die sich auch zum
Dienst christlicher Nächstenliebe verpflichtet haben.
Das größte Werk bildet die
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| III.1 | Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. | |
| Die 1952 gegründete JUH ist heute mit
Abstand das größte Ordenswerk. Aus ehrenamtlicher
Initiative entstanden, helfen heute rund 18 000
Mitglieder ehrenamtlich und rund 12 000 hauptamtlich.
Auch der Zivildienst unterstützt mit rund 3 100
Zivildienstleistenden (ZDL) die Aufgaben der JUH. In der
Johanniter-Jugend (JJ) engagieren sich rund 4 000
Jugendliche. Die Anzahl der Fördermitglieder beläuft
sich momentan auf rund 1 300 000. Die JUH unterteilt sich
in Landes-, Bezirks-/Regional-, Kreis- und Ortsverbände. Ihr Status ist ausnahmslos gemeinnützig und nicht an Profit interessiert. Das Zeichen des Ordens ist auch ihr Emblem, das achtspitzige weiße Kreuz auf rotem Grund. |
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| "Im Bewußtsein der Tradition christlicher Nächstenliebe, der die Johanniter seit Jahrhunderten verpflichtet sind, und herausgefordert durch die Nöte und Gefahren der Welt, will die Johanniter-Unfall-Hilfe in Verantwortung vor Gott dem leidenden Menschen unserer Zeit beistehen", heißt es in der Präambel. | ![]() |
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Auf dieser Grundlage aufbauend hat sich
die JUH mit ihren Tätigkeiten folgenden Bereichen
zugewandt:
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| IV. | Damals und heute im Vergleich | |
| Als Meister Gerhard 1099 sein Spital auch für Ritter als dienende Brüder öffnete, um das gegenwärtige Leid zu lindern, dachte er sicherlich nicht daran, daß sein damals begonnenes Werk noch heute - nach 900 Jahren - immer noch weitergeführt werden würde. Die Ziele sind seitdem die gleichen geblieben, und die Ideale haben sich in alle Welt verbreitet. Standen damals die Helfer jedoch ohne große technische Ausrüstung und Einsatzlogistik da, sind die Johanniter natürlich auch den Schritt zur Technisierung mitgegangen und können so mit modernster Technik dort helfen, wo die Not es verlangt, weltweit! | ||
| V. | Johanniter in aller Welt | |
| Johannisorden gibt es nicht nur in
Deutschland, sondern auch in den europäischen
Nachbarstaaten. Den protestantischen Orden in den
Niederlanden (Johanniter Orde in Nederland),
und in Schweden (Johanniterorden i Sverige). Auch
trifft man auf den Orden des Heiligen Johannes in
Großbritannien (Order of St. John). Genauso wie
vom englischen Orden die St. John Ambualnce ins
Leben gerufen wurde, gründete der Orden in Deutschland
die JUH. Die Genossenschaften der St. John Ambulance
finden sich in Nordirland, Kanada und Westaustralien (Ambulance
de Saint Etienne) finden. Die Malteser sind der
größte katholische Teil der Johannisorden. Der Wirkungskreis der JUH geht weit über seine nationalen Grenzen hinaus. So wollte sie nach ihrer Gründung auch stetig Verantwortung im Ausland übernehmen. Es wurde daher die Abteilung Johanniter International (JOIN) gebildet, die sich auf die Auslandsarbeit spezialisiert hat. Sie ist tätig in Österreich, Italien, Lettland, Finnland, Türkei und in den afrikanischen Staaten wie Eritrea, Ruanda, Angola, Somalia, Zaire und Namibia; aber auch in den östlichen Ländern wie Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Polen, Ungarn, Rumänien und der ehemaligen Sowjetunion. Hinzu kommen Einsätze in Mittelamerika, wie z.B. in Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala. Die Einsatzgebiete und Aufgabenstellungen der JOIN umfassen dabei das ganze Spektrum der Möglichkeiten, aktiv Hilfe zu leisten. Im überwiegenden Maße stellt die JOIN jedoch die medizinische Hilfe, wie es ihrer Tradition entspricht. Wichtige Grundsätze, damals wie heute, gelten dabei immer noch. In der Ordensregel heißt es dazu: "Der Johanniter läßt sich rufen, wo die Not des Nächsten auf seine tägliche Liebe und der Unglaube der Angefochtenen auf das Zeugnis seines Glaubens warten." Somit wollen die Johanniter Menschen, die aus sozialer Ungerechtigkeit Not leiden, in verschiedener Weise helfen. Dabei wird nicht nach Nationalität, Rasse oder Religion unterschieden. Dies gilt bei Einsätzen, die akute Nothilfe z.B. aufgrund einer Naturkatastrophe verlangen oder die auf Enwicklungszusammenarbeit beruhen, die längerfristige Hilfe verlangt. Das aktuellste Beispiel für humanitäre Hilfe bilden die Bürgerkriege in Kroatien und Serbien, bei denen die Bevölkerungen Opfer des Regimes wurden. |
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| VI. | Verwendete Literatur | |
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© by Matthias Kraft 1999